Der Energieausweis – nur ein lästiges Stück Papier?

Seit dem Jahr 2008 ist der Energieausweis bei  Vermietung und Verkauf von Immobilien vorgeschrieben. Bereits in den entsprechenden Anzeigen müssen die wesentlichen Angaben gemacht werden, bei Besichtigung muß er unaufgefordert vorliegen und bei Vertragsschluss müssen Sie ihn ausgehändigt bekommen. Bußgelder bis zu 15.000 Euro drohen bei Zuwiderhandlungen. Trotzdem wird er zumeist als ein lästiges Stück Papier gesehen, mit dem man eigentlich nichts Rechtes anfangen kann. So ein Energieausweis gilt übrigens 10 Jahre.

 

Was soll der Energieausweis?

Gedacht war der Energieausweis bei seiner Einführung als grobe Orientierung zum Energieverbrauch bei Bestandsimmobilien, aus der sich gegebenenfalls Hinweise auf möglichen Modernisierungsbedarf ableiten lassen. Unter anderem sollte so eine gewisse Transparenz auf dem Immobilienmarkt hergestellt werden und es Ihnen ermöglicht werden, den Energiebedarf von Wohnungen oder Häusern, die Sie in die engere Wahl gezogen haben, zu vergleichen und sich somit für die beste Alternative zu entscheiden. So ähnlich übrigens wie bei den Verbrauchsangaben für Kraftfahrzeuge.

 

Welche Rolle spielt der Bewohner der Immobilie?

Eine ganz Entscheidende. Die Energiekosten sind nämlich nicht vom Ausweis abhängig, sondern vom Verhalten des Bewohners – der eine mag es eher frisch und ist mit 18 Grad Raumtemperatur zufrieden, der andere fühlt sich in molliger Wärme wohl und lebt bei 22 Grad in seiner Wohnung. Und vielleicht öffnet er dennoch die Fenster jede halbe Stunde, um frische Luft hineinzulassen. Sie sehen – von einer großen Genauigkeit können Sie schon einmal nicht ausgehen.

Darüberhinaus gilt so ein Energieausweis immer für ein komplettes Gebäude, sodass Sie als Interessent für eine Miet- oder Eigentumswohnung auch keine konkreten Rückschlüsse auf das Objekt Ihrer Begierde ziehen können. Das geht dann am besten über die Nebenkostenabrechnungen.

 

Vergleichbarkeit? Na ja …

Die Vergleichbarkeit wird Ihnen noch zusätzlich dadurch erschwert, dass es parallel zwei Varianten dieses Ausweises in Deutschland gibt:

Der „Verbrauchsausweis“ fasst, vereinfacht gesagt, die Energiebilanz zusammen. Die Werte, die vom Eigentümer selbst erhoben werden können, werden einfach aus den Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre ermittelt. Ein Experte errechnet anhand dieser Daten dann den Energieverbrauch und stellt den Ausweis aus – fertig. Kosten je nach Anbieter bereits unter  50 Euro.

Der „Bedarfsausweis“ ist um einiges teurer, aber auch aussagekräftiger: Hier wird von einem Fachmann der Zustand des Gebäudes begutachtet, ebenso wie die Heizungsanlage und gegebenenfalls durchgeführte Modernisierungsmassnahmen. Daraus wird der zu erwartende Energiebedarf abgeleitet – also aus rein technischen Parametern und unabhängig vom Verhalten der Bewohner. Bei Ein- bis Vierfamilienhäusern, die vor 1977 errichtet sind und noch nicht umfassend energetisch saniert sind, ist diese Variante sogar Pflicht.  Natürlich können Sie auch aus  diesem Ausweis keine 100prozentige Genauigkeit ableiten, aber er lässt immerhin belastbarere Vergleiche zu.

 

Was steht alles in einem Energieausweis?

Ganz vorne stehen die allgemeinen Angaben zum Gebäude: Adresse, Baujahr, Baujahr der Anlagentechnik und ggf. Anzahl der Wohnungen. Ist der Ausweis nach dem 1. 10. 2009 ausgestellt worden, finden Sie hier auch Aussagen zur  Nutzung erneuerbarer Energien und zur Konzeption der Lüftung.

Danach ist aufgeschrieben, welches Verfahren verwendet wurde: Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis, gefolgt von einer intuitiv verstehbaren Farbskala – ähnlich der eines Bandtachos in einem älteren Auto. Hier können Sie auf einer Skala von 0 bis > 400 (die Einheit ist kWh/(m².a)) ablesen, wie hoch der Energiebedarf ist. Als ganz grobe Daumenregel gehen viele davon aus, daß die Zahl „100“ gerade noch so im grünen Bereich liegt.

Aber – so einfach ist es auch an dieser Stelle nicht: Auch hier werden zwei Werte unterschieden: der Primärenergiebedarf beinhaltet auch den Aufwand für die Bereitstellung der Energie – wenn beispielsweise erneuerbare Energien eingesetzt werden, ist der eher niedrig.

Der Endenergiebedarf wird nach technischen Regeln berechnet und bildet die jährlich benötigte Energiemenge für Warmwasser, Heizung und Lüftung ab. Wollen Sie also Ihre künftigen Energiekosten abschätzen, halten Sie sich am besten an diesen Wert.

Schliesslich gibt es noch das Feld „Vergleichswerte Endenergiebedarf“ – hier können Sie die Immobilie Ihrer Begierde modellhaft mit anderen Gebäuden vergleichen. Denken Sie aber daran, dass Verbrauchs- und Bedarfswerte, wie oben erklärt, nur schwer miteinander zu vergleichen sind.

Und auf der letzten Seite gibt der Ersteller des Energieausweises Ihnen noch Tipps zu kostengünstigen Modernisierungsmassnahmen – oder er kreuzt das Feld „nicht möglich“ an.

 

Alles klar? Wenn nicht – so wie Ihnen geht es vielen Interessenten und potentiellen Verkäufern. Wir finden, dass mit einer Harmonisierung der beiden Ausweise schon einmal ein richtiger Schritt in Vergleichbarkeit und Transparenz getan wäre.

Übrigens – wenn Sie uns mit dem Verkauf Ihrer Immobilien beauftragen (Alleinauftrag), erstellen wir für Sie den Energieausweis kostenfrei, ebenso wie die kompetente Wertermittlung Ihres Objektes.

Sprechen Sie uns gerne an.

Bis zum nächsten Mal, Ihr Team von Burchardt Immobilien